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Schöner Schrecken der Musik
Jürg Huber . Eifersucht, Raserei, Mord: Bei Leo, Tolstoi entrückt einen eine die Musik nicht in eine bessere Welt, sondern führt direkt
ins Verderben. Seine Erzählung «Die Kreutzersonate» steht an vorderster Stelle, wenn es um die unheilvolle Wirkungsmacht von Tönen geht.
Dieses Motiv stand im Zentrum einer Matinee im Rahmen der Reihe «Literatur und Musik», die das Tonhalle-Orchester gemeinsam mit dem
Literaturhaus Museumsgesellschaft Zürich veranstaltet. Das attraktive Thema und eine hochkarätige Besetzung bescherten den Organisatoren
einen vollen Kleinen Tonhallesaal und dem Publikum anregende neunzig Minuten.
Zu Gast waren das Merel-Quartett und Margriet de Moor. Mit ihrem 2001 erschienenen Roman «Kreutzersonate» hat die holländische Autorin -
nach der Violinsonate von Ludwig van Beethoven, Tolstois Erzählung und dem darauf basierenden Streichquartett vorn Leos Janacek -die
bisher letzte Bearbeitung des Stoffs geliefert. Dass aber der Staffellauf zwischen Wort und Ton weitergehe, der Stab von der Literatur
dereinst wieder der Musik, etwa in Form einer Kammeroper, gereicht werde, ist de Moors Wunsch, wie sie ihrer Kollegin Judith Kuckart im
Gespräch versicherte. Erotik, Eifersucht, Mitleid und Gefahr sind ihrer Ansicht nach die Tonarten, auf die die verschiedenen Beiträge
gestimmt sind. Lesungen aus dem eigenen Roman sowie aus der Tolstoi-Erzählung — “Die Musik überhaupt ist etwas Schreckliches”, heisst es
da-etwa — und die Interpretation der zugrundeliegenden Musik luden zum Nachfühlen ein. Von der verführerischen Schönheit dieses Schreckens
liess Mary Ellen Woodside, Primaria des Merel-Quartetts, im Kopfsatz von Beethovens Kreutzersonate hören. Mit ihrem elastischen Spiel
betonte sie weniger den forsch draufgängerischen Aspekt, als dass sie, zusammen mit Alasdair Beatson am Klavier, die einschmeichelnde
Seite dieser Musik aufblühen liess. Dass Innenspannung nicht auf äussere Effekte angewiesen ist, zeigte schliesslich auch das
Merel-Quartett in einer konzentrierten Interpretation von Janaceks Streichquartett Nr. 1. Das 2002 gegründete Ensemble, dem neben Woodside
Meesun Hong (Violine), Alexander Besa (Viola) und Rafael Rosenfeld (Violoncello) angehören, bestach durch subtile Zeichnung der
musikalischen Charaktere und evozierte damit eine zwischen Sehnsucht, Erbarmen und Drohung schwankende Stimmung.
Neue Zürcher Zeitung, 15.11. 2009
Leidenschaften im Quartett
enr. Seit nunmehr sieben Jahren sind die Musiker des Zürcher Merel-Quartetts beisammen; sie konnten sich seither als eine der
interessantesten jungen Kammermusikformationen positionieren. Ihre erste CD darf wohl als Bekenntnis verstanden werden: nicht nur zu
einer präsenten, „aktualisierenden“ Art der Interpretation, sondern auch hinsichtlich des Repertoires. Denn den Mittelpunkt der
Veröffentlichung bildet das dreisätzige erste Streichquartett „Ph(r)asen“ des 1975 geborenen Schweizers David Philip Hefti: expressive
Musik, die mit ihren dicht gewobenen Texturen erweiterte, geräuschhafte Klangmöglichkeiten und sprachähnliche Gesten verbindet – und
Spuren zu den beiden anderen Werken auf der CD legt, indem sie sich auf die Liebesbeziehungen zwischen Clara und Robert Schumann sowie
Kamila Stösslová und Leoš Janáček bezieht. Das Merel-Quartett spielt diese romantisierende, subjektive Neuheit, deren Energieballungen
und fast manische Wiederholungen von Motiven in der Tat an Janáček denken lassen, mit demselben Eifer wie die älteren Stücke.
Durchsichtig und pointiert, mit kernigem, aber schlankem Ton und nachdenklich ertönt Schumanns a-Moll-Quartett op. 41.1, ebenso reich an
klanglicher Differenzierung wie Janáčeks zweites Streichquartett “Intime Briefe”. Das Schwanken dieser Bekenntnismusik zwischen
Verzweiflung und Verklärung wird selten so unaufdringlich interpretiert – und zugleich so intensiv.
Neue Zürcher Zeitung, 13.11. 2009
Neu auf dem Festspiel-Podium: Das Merel Quartet aus Zürich, ein junges, wundersam genau musizierendes und tonlich vorzüglich aufeinander eingeschworenes Ensemble, das sich gemeinsam mit der Sopranistin Ruth Ziesak an Arnold Schönbergs Zweitem Quartett fis-Moll op. 10 wagte. - .Eine sehr differenzierte Sicht durch das Merel Quartet, nur behutsam aufgeraut.
Wiener Zeitung, 13.8. 2007
...- eine geistreiche Musik, die vom Merel-Quartett äusserst expressiv und mit feinem Gespür für Form, Klang und Rhetorik gespielt wurde.
Neue Zürcher Zeitung, 30.5. 2007
(Dohnanyis Klavierquintett) von Dénes Várjon ebenso meisterhaft gestaltet wie vom exzellenten Merel Quartet.
(Hermann Scherchens Streichquartett op.1) Es wurde vom Merel Quartet spiel- und ensembletechnisch meisterhaft und darüber hinaus mit vollem emotivem Engagement ausgestaltet.
Thurgauer Zeitung, 29.5. 2007
Der Kammermusikabend des Konzertreigens Interlaken Classics in der Kirche Unterseen ist zu einem Musikerlebenis geworden, wie es schöner und gehaltvoller nicht hätte sein können. Mit den jungen Ensemblemitgliedern des in Zürich ansässigen Merel Quartets kam ein Musikerrund ins Oberland, das mit seinem virtuosen und hoch stehenden Musizieren das Publikum begeisterte.
Berner Zeitung, 5.4. 2007
Absolute Sternstunde der Kammermusik
Jungfrau Zeitung, 4.4. 2007
Die Wiedergabe (des Schumann Quartetts op.41/1) war in jeder Hinsicht überzeugend, technisch perfekt und musikalisch aus einem Guss.
Thurgauer Zeitung, 27.3. 2007
Die Interpretation (vom Schubert's Quartett 'Der Tod und das Mädchen') durch das Merel Quartett verdient höchste Anerkennung. Die technische Brillanz der ersten, das Spielfeuer der zweiten Violinistin, die warme Sonorität der Bratsche, und die aus dem Hintergrund durch den Cellisten klug gezogenen Gestaltungsfäden liessen keine Wünsche offen. Schön, wie der zweite Satz durch seine getragene Art weniger die Unerbittlichkeit des Todes und das Unerträgliche des Schicksals erleben liess, sondern viel mehr eine getroste Hoffnung andeutete.
über Dvorák's 'Zypressen':
Was will man mehr hervorheben: die plausible, perfekte, leidenschaftliche, doch nirgends überbordende Wiedergabe durch das Merel-Quartett...
Thurgauer Zeitung, 20. 1. 2007
Mit der Wiedergabe Bartóks zweiten Streichquartetts (op.17) hat das Merel Quartet seine Ausnahmestellung unter dem Kammermusik-Nachwuchs eindringlich unterstrichen. Der Ernst dieser Wiedergabe, ihre ungeteilte Eindringlichkeit im Klanglichen und ihr Sinn für ausgleichende Kontrastierung haben sich tief eingeprägt, weil bei aller Vitalität und Erregbarkeit des Musizierens, bei allem Druck und aller Motorik hier ein empfindliches Wahrnehmungsnetz für die Zartheit Bartóks ausgespannt war. Bedrängend klar, sanglich wachsend im einzelnen Motiv und angespannt in den divergierend polyphonen Zusammenhängen wurde hier musiziert, kompromisslos aufrichtig und offen.
Als Abschluss gab es Schuberts d-Moll-Quartett „Der Tod und das Mädchen“. Man weiß nicht, was man zuerst nennen soll: die Präzision des Zusammenspiels, das plastische Herausarbeiten der melodischen Linien und ihr Weiterreichen von einer Stimme zur anderen, die überzeugenden Wahl der Tempi oder die einzigartige Differenzierung im Dynamischen.
Die Variationen des Andante wurden schmerzend innig wie mit einem peinigen Doloroso wiedergegeben, mit einem Klang, der selbstredend beseelt und teilnehmend und ergriffen, der fahl und leer und voller Widerstand ist, aber in seinem Mitleiden auch erschreckend ehrlich und einsam dasteht. Im Scherzo zieht sich die Wiedergabe fast bedrängend auf den Gegensatz von schroff und lieblich zusammen – Schubert in hartem Schwarz-Weiss.
Schwäbische Zeitung, 18.Januar 2006
.....Sie kamen in den Genuss eines hochstehenden Streichquartett-Konzertes. Das Merel Quartet bewältigte sein Programm künstlerisch überzeugend.
Berner Oberländer, 26.August 2005
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